Spanien Süd
Der Rest von Andalusien
Nach der Olivenernte haben wir uns erst einmal eine sehr rustikale Unterkunft irgendwo in der Pampa gegönnt. Immerhin gab es eine warme Dusche – wenn auch nur kurz. Das Wetter war so schlecht, dass wir viel gekocht und uns mit allerlei kreativem Kram beschäftigt haben.
Nach einer Woche ging es dann weiter Richtung Torre del Mar, der zweiten Heimat der Frau. In den Bergen mieteten wir uns eine schöne Finca und besichtigten das hübsche Dorf Frigiliana. Mama kam zu Besuch, und wir verbrachten gemütliche Weihnachtstage mit ordentlich befeuertem Kamin.
Es gab schöne Wiedersehen mit alten Freunden, eine Menge großartiges Essen und einen Ausflug in die beeindruckende Tropfsteinhöhle von Nerja.
Zu Silvester fuhren wir wieder zu Barbara. Mit ihr und ihrem netten schwulen Freund hatten wir einen sehr lustigen Übergang ins Jahr 2026. Besonders gefreut hat sich Lola, Barbaras Hündin, den Mann endlich wiederzusehen.
Am letzten Tag bekam die Frau noch ein paar Strähnchen – und dann ging es Richtung Süden zurück.
Auf nach Marokko.
Eine besondere Zeit in der Sierra de las Nieves
Dieses Jahr durften wir eine ganz besondere Erfahrung machen: die Olivenernte in Andalusien, mitten in der beeindruckenden Landschaft der Sierra de las Nieves. Zwischen alten Olivenhainen, endlosen Hügeln und warmem Herbstlicht haben wir Tage erlebt, die anstrengend, bereichernd und einfach unvergesslich waren.
Willkommen bei Babs – Gastfreundschaft, die unter die Haut geht
Unsere Gastgeberin Babs hat uns vom ersten Moment an mit einer Herzlichkeit empfangen, die man nur selten findet. Ob wir gerade zu fünft oder zu zehnt waren – sie hatte immer ein offenes Ohr, warme Worte, gutes Essen und das Gefühl von Zuhause für uns bereit.
Bei ihr fühlte sich jeder Tag nach einer Mischung aus Abenteuer und gemütlichem Ankommen an.
Ernten zwischen steilen Hängen und sonnigen Terrassen
Die Olivenhaine führten uns an die unterschiedlichsten Orte: mal standen wir an steilen, steinigen Hängen, an denen jeder Schritt Konzentration verlangte, mal auf flachen Terrassen mit Blick über die weiten Täler Andalusiens.
Wir haben geschüttelt, gekämmt, gesammelt, gerüttelt und sortiert.
Und wir haben gespürt: Olivenernte ist harte Arbeit – aber auch eine Tätigkeit, die erdet und verbindet.
Der Rhythmus der Natur, das gemeinsame Arbeiten, das Lachen und die Pausen unter Olivenbäumen machten die Tage zu etwas ganz Besonderem.
Die kleine Lola – unser gutes Herz auf vier Pfoten
Ein heimlicher Star unserer Zeit war Lola, die kleine Hündin von Babs.
Mit ihrer fröhlichen Art war sie stets an unserer Seite – mal neugierig zwischen den Netzen, mal dösend in der Sonne, immer bereit für ein paar Streicheleinheiten.
Sie hat uns jeden Tag aufs Neue ein Lächeln geschenkt und die Arbeit ein wenig leichter gemacht.
Unser eigenes Olivenöl – ein Stück Andalusien zum Mitnehmen
Als wir schließlich das Ergebnis unserer Arbeit in den Händen hielten – unser eigenes Olivenöl – fühlte es sich an wie ein Schatz.
Nicht nur ein Lebensmittel, sondern eine Erinnerung: an Sonne, Schweiß, Gemeinschaft, Natur und an eine Zeit, die uns viel gegeben hat.
Fazit
Die Tage in der Sierra de las Nieves waren intensiv und wunderschön.
Wir sind mit müden Muskeln, vollen Herzen und ein paar Flasche goldgrünem Olivenöl nach gefahren.
Und wir wissen jetzt:
Wer einmal Oliven selbst geerntet hat, versteht den Wert jeder einzelnen Flasche – und nimmt ein Stück Andalusien für immer mit.
Drei Orte, zwei Regenfronten, ein blauer Himmel
Ein Haus aus Stein und Zeit
Wir fanden das alte Steinhaus nicht – es fand uns. Einsam, verwittert, halb Einsiedlerei, halb Weinpresse, halb Pfarrhaus (wie viele Leben kann ein Gebäude eigentlich haben?).
Es stand da wie ein Stück Vergangenheit, das beschlossen hat, dem Geröll zu trotzen.
Dann kam leise der Regen. Und blieb. Zwei Tage lang, als wolle er das ganze Gelände gründlich reinigen, uns inklusive.
Wir hielten durch, solange es romantisch war – ungefähr 20 Minuten – und dann weitere 46 Stunden.
Ronda: die Stadt, die auch im Regen Haltung bewahrt
Irgendwann gewinnt die Nässe. Also entschieden wir uns für eine Pause, einen Campingplatz, eine Dusche – und damit für eine Rückkehr zur Zivilisation.
Dort trafen wir zwei Deutsche, unterwegs nach Marokko, ähnlich wie wir. Gespräche unter Reisenden sind immer kurz, aber niemals belanglos – man teilt ja nicht nur Worte, sondern oft auch denselben Horizont. Vielleicht sehen wir sie wieder. Solche Zufälle passieren öfter, als man glaubt.
In Ronda regnete es immer noch, aber der Ort wirkte wie jemand, der sagt: „Ist mir egal, ich bin trotzdem schön.“
Wir liefen durch die Straßen mit Schirm, Pausen nutzend wie kleine Fenster im Wetter. Die Schluchten, die Brücke, die Aussicht – alles beeindruckend und trotz Touristenfülle würdevoll.
Die Stierkampfarena ließen wir aus, aus Gründen, die weniger mit Tradition und mehr mit Moral zu tun haben.
Ein Dorf, Quellwasser und ein Hirte
Draußen, weiter weg von Ronda, fanden wir ein kleines Dorf – eigentlich nur ein paar Häuser, viel Himmel und eine Quelle, die klarer war als unsere Art zu entscheiden, wohin wir als Nächstes fahren.
Dort sahen wir einen Hirten seine Ziegen und Schafe zusammentreiben. Es war kein „für Touristen inszeniertes Schauspiel“. Es war einfach sein Tag. Und wir durften einen Augenblick lang zusehen. Solche Momente bringen eine Ruhe mit sich, die man nirgends planen oder kaufen kann.
Vom Matsch in die Höhe – Camino del Rey
Dann kam der Matsch. Ausgiebig. Manchmal ist das der Preis für Wege, die später unvergesslich werden.
Wir verbrachten eine Nacht am Stausee und der Camino del Rey empfing uns mit blauem Himmel – ein seltener Luxus nach unseren vorherigen Kapiteln.
Und dort, auf diesen Holzstegen am Felsen, mit unverschämten Tiefblicken unter uns, ist die Frau über sich selbst hinausgewachsen. Höhenangst hat sie nicht aufgehalten – nur langsamer gemacht. Und schweißnass. Aber sie hat es geschafft.
Mittagessen unter Sonne schmeckte danach wie eine Belohnung.
Abends: ein Campingplatz. Nicht spektakulär – aber ehrlich.
Und so stehen wir jetzt wieder auf einem Campingplatz. Nichts Besonderes. Aber manchmal ist ein Ort nicht wegen seiner Landschaft wichtig, sondern wegen seiner Duschen.
Mit Vollstrom durch Andalusien: Von Aliens, Katzen und Mittagstisch
Mission „Solarpanel installieren“: erfolgreich! 💪 Auf einem Strandparkplatz bei Cádiz – Sonne satt, Meerblick und das gute Gefühl, endlich Strom zu haben, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber Mutter Erde.
Von dort ging’s weiter gen Süden – ein weiterer Abend am Strand, die Wellen im Hintergrund, und der Dicke schnurrte zufrieden.
Nächster Stopp: Barbate, das charmante Fischerstädtchen mit Katzen, die aussehen, als hätten sie dort das Sagen (was sie wahrscheinlich auch haben). 13 Euro für den Stellplatz mit Dusche und WC – und Katzen-Entertainment gratis! Wir haben erstmal die Waschmaschine gequält:, alles sicher verstaut und ab auf Erkundungstour.
Eine Gottesanbeterin kreuzte den Weg. Dieses Mini-Alien grüßt uns freundlich, als wollte es sagen: „Willkommen in Andalusien!“
Überall kleine Fischerboote – und mitten im Ort steht ein Holzschiff namens „Hoffnung“ aus Bremen, auf Stelzen im Garten. Der Nachbar meinte man wollte es restaurieren, hat dann aber aufgegeben. Na dann: die Hoffnung stirbt zuletzt.
Mittags fuhren wir weiter zu den Kite-Surfern – cooler Wind, aber zu viel für unsere Frisuren. Also: Plan B! Hoch in den Nationalpark Los Alcornocales, den Königreich der Korkeichen.
Wirklich – so schön, dass man am liebsten gleich ein kleines Rustico kaufen würde… wenn der Geldbeutel nicht laut „Hahaha, nein!“ gerufen hätte.
Nachts: Natur pur. Ein neugieriger Bulle und seine Kuh inspizieren den Dicken. Ziegen bimmelten mit ihren Glocken bis spät in die Nacht – Alpen-Vibes, aber wärmer.
Am nächsten Tag ging’s weiter entlang der Ruta de los Pueblos Blancos, der Route der weißen Dörfer.
Castillo de Castellar: winzig, märchenhaft, mit Stausee-Postkartenblick.
Jimena de la Frontera – auf dem Weg nach oben: Schnecken beim Katzenfutter schlemmen: Was für ein Anblick 😹, Burgbesichtigung, danach ein absolut legendärer Mittagstisch: Vorspeise, Hauptgang, Dessert für 12 €. Und alles so gut, dass wir kurz überlegt haben, den Koch zu adoptieren.
Nach der Siesta dann Gaucín – Regen prasselt und wir machen es uns richtig muckelig. Mal sehen, was der morgige Tag bringt – hoffentlich mehr Sonne.
Von der Algarve ins Abenteuerland: Zwischen Traumküste, Wahnsinn und Eimern voller Realität
Also ehrlich, die Algarve ist wirklich ein Postkartenmotiv auf Steroiden. Diese Küste – türkisblau, dramatische Klippen, Sonnenuntergänge zum Niederknien. Man könnte glatt denken, das Paradies liegt in Portugal.
Wäre da nicht… na ja… der Rest.
Denn was man hier auch sieht: Lost Places, wohin das Auge reicht. Ganze Häuser, als hätte jemand mitten im Renovieren beschlossen, lieber ein neues Leben in Kanada anzufangen. Dazu kommt, dass offenbar jeder meint, Touristen seien wandelnde Geldautomaten. Ein Espresso kostet plötzlich so viel wie ein kleiner Gebrauchtwagen, aber hey – “you are at the beautiful Algarve!”
Wir dachten nur: Irgendwie irre. Aber hübsch. Also haben wir einfach die schöne Küste genossen, tief durchgeatmet – und beschlossen, weiter nach Spanien zu fahren.
Wir haben noch einen Abstecher auf dem Weg zu einer Knochenkirche gemacht. Ja, richtig gelesen – ist nur ein kleiner Raum, abgesperrt mit Gittern, der komplett mit menschlichen Knochen dekoriert ist. Schädel an der Wand, Oberschenkelknochen im Muster, alles sehr… ästhetisch morbide.
Das Treffen mit den „Lichtmenschen von Huelva“
Und dann kam das Erlebnis, das eigentlich in ein Drehbuch gehört.
Wir hatten ein Videogespräch mit zwei Menschen, die sich in Spanien „ein Stück Land gekauft haben“ und dort Freiwillige suchen. Klang erstmal spannend. Ein einfaches Leben, nah an der Natur, Sinn, Gemeinschaft – was will man mehr?
Schon beim Gespräch dachten wir: Ui, da ist aber viel Energie im Raum.
Nach fünf Minuten wussten wir: Die sind komplett durchgeknallt.
Aber unsere Neugier war stärker als unsere Vernunft – also sind wir hin.
Mitten in der Pampa bei Huelva, irgendwo zwischen Nirgendwo und Nichts, stehen die beiden auf ihrem „Land“. Gekauft für 9000 €, ohne Wasser, ohne Strom, ohne… na ja, alles.
Für uns: Gestrandet mit Ansage.
Katzen leben in Käfigen, Hunde in Zwingern, angeblich alles „aus Tierliebe“. Spenden fließen – aber nicht etwa in Wasseranschlüsse oder Hygiene, sondern in Bäume. (Katzen? Hunde? Ach was, erstmal ein Olivenhain pflanzen!)
Und ja, es gibt keine Toilette. Gar keine.
Das System heißt: Eimer. 💩
Da war selbst unser Camper plötzlich eine Luxusvilla.
Wir waren höflich, freundlich, haben genickt und gelächelt – und sind dann so schnell wie möglich wieder weg.
Manchmal ist Flucht die beste Form der spirituellen Reinigung.
Sevilla, Solarzellen und Seelenfrieden
Nach diesem Realitäts-Schock brauchten wir erstmal Urlaub vom alternativen Leben.
In Sevilla haben wir dann endlich unser flexibles Solarmodul gefunden – das Teil, das uns schon ewig gefehlt hat.
Klingt langweilig, aber für uns war das wie Weihnachten, Ostern und ein Lottogewinn in einem.
Jetzt stehen wir in einem kleinen Ort namens El Cuervo de Sevilla, und die Leute hier sind einfach großartig. Freundlich, entspannt, kein Psychospiel, keine Eimer-Toilette.
Wir genießen die Ruhe, den Sonnenschein – und dass unsere Nachbarn kein esoterisches Tiergefängnis betreiben.
Fazit
Die Algarve war schön, die „Lichtmenschen“ waren… lehrreich, und El Cuervo ist gerade unser kleines Paradies.
Wir haben gelernt: Manche suchen das einfache Leben.
Andere finden es – und bauen sich daraus einen Eimer. 😆
