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Albanien

23 May 2026

Abenteuer Albanien: Der Kopf dröhnt, die Aussicht entschädigt

Natürlich beginnt der Tag in echter Expeditionsmanier: mit einer Dusche mitten im Nirgendwo. Luxus muss schließlich sein. Kurz darauf taucht der Hirte vom Berg auf, vermutlich um zu prüfen, welche Vollidioten hier oben freiwillig übernachten. Wir halten noch einen Plausch, tanken voll und rollen weiter Richtung Albania.

Kaum hinter der Grenze geht es auch schon auf die erste Piste. Über eine spektakuläre Brücke überqueren wir den Devoll-Fluss – danach beginnt der spaßige Teil: Matsch. Viel Matsch. Der Dicke kämpft sich tapfer durch knietiefe Schlammlöcher, während die Bäume links und rechts immer enger werden. Wahrscheinlich nur, um den Lack etwas zu personalisieren.

Zwischendurch passieren wir winzige Dörfer, in denen die Zeit offenbar irgendwann in den 70ern beschlossen hat stehen zu bleiben. Man fragt sich ernsthaft, wie die Menschen hier leben. Vermutlich deutlich entspannter als wir.

Der Landy darf anschließend noch ausgewaschene Steinpassagen hochkrabbeln. Schrittgeschwindigkeit, Untersetzung und mechanische Geräusche, die man lieber ignoriert. Irgendwann erreichen wir eine grasbewachsene Plattform mit Aussicht – also den offiziellen Balkan-Campingplatz Deluxe. Der Sonnenuntergang ist so schön, dass man fast vergisst, wie oft man heute durchgeschüttelt wurde.

Später kommt tatsächlich ein Schäfer mit Pick-up und Wasserfass vorbeigefahren. Klar. Warum auch nicht. Hier fährt jeder irgendwo mitten auf dem Berg herum, nur wir denken noch über Straßen nach.

Am nächsten Morgen geht es früh weiter Richtung Pogradec am Lake Ohrid. Die Guri i Kamjes ragen plötzlich wie zwei riesige Felsen aus der Landschaft und liefern den perfekten „Wow, dafür lohnt sich das Gerüttel“-Moment.

Am Ohridsee müssen wir erstmal albanische Lek organisieren und den Reifendruck anpassen – schließlich möchte man professionell wirken, bevor man wieder irgendwelche Feldwege hochkriecht. Mittagessen gibt es entspannt an einem Fluss. Eigentlich perfekt zum Ausruhen. Eigentlich.

Aber der Mann hat selbstverständlich keine Ruhe. Also fahren wir weiter. Immer höher. Immer langsamer. Für den Landy wird die Auffahrt zur therapeutischen Grenzerfahrung: hochdrehen, kriechen, leiden.

Unterwegs retten wir noch eine Schildkröte und eine albanische Erdkröte. Offenbar betreiben wir inzwischen nebenbei eine mobile Wildtierhilfe.

Am Ende des Tages sind wir viel zu weit gefahren. Der Kopf hämmert, der Körper ist müde und selbst der Dicke klingt beleidigt. Also ab ins Bett – morgen treffen wir bestimmt wieder irgendwo auf einem Berg einen Hirten mit Pick-up.

23 May 2026
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