Italien
Die Kunst des Unterwegsseins – Von der Maremma bis nach Bari
Wir machten also einen ganz entspannten, völlig unspektakulären Spaziergang im Parco Regionale della Maremma – bis das Wetter beschloss, uns ein kleines Weltuntergangstraining zu gönnen. Strand? Überbewertet. Also zurück zum Auto („der Dicke“), während wir nebenbei noch schnell die beeindruckende Flora und Fauna bewunderten. Ein Tausendfüßer nahm sich die Freiheit, unseren Weg zu kreuzen – vermutlich auch auf der Flucht vor dem Unwetter.
Im Hafenörtchen Talamone erwartete uns dann das authentische italienische Erlebnis: alles zu. Wirklich alles. Also weiter Richtung Pitigliano, natürlich bei perfektem Reisewetter – Dauerregen mit gelegentlichen Gnadenfenstern von 30 Minuten.
Diese nutzten wir heldenhaft, um die etruskischen Hohlwege zu erkunden, geschaffen von den Etrusker, die offenbar schon vor 2000 Jahren wussten, wie man sich bei schlechtem Wetter stilvoll versteckt. 10–20 Meter tiefe Einschnitte, kühl, schattig, mystisch – quasi ein natürlicher Regenschirm mit Geschichte.
Dann das kulinarische Highlight: Outdoor-Anbraten bei Regenpause, danach Slow-Cooking im Auto. Zwei Stunden Ragú-Duft inklusive – ein Erlebnis, das sich nachhaltig in die Innenausstattung eingebrannt hat. Die Pastificio Martelli Makkaroni haben ihr Bestes gegeben, das Ganze zu rechtfertigen.
Am nächsten Tag schlenderten wir geschniegelt und geschniegelt durch Pitigliano und besuchten das Museo di Palazzo Orsini – eine charmante Mischung aus Renaissance, Kunst und „wir haben hier einfach alles reingestellt, was wir gefunden haben“.
Weiter in die Abruzzen, wo wir beim entspannten Spaziergang mal eben Rotwild aufscheuchten – diese unhöflichen Tiere, die sich einfach nicht ankündigen. Abends dann: arktische Temperaturen (gefühlt), also früh ins Bett.
Der nächste Tag führte uns zuerst zur Wäscherei. Dort haben wir gefühlt alles gewaschen inkl. Bettwäsche und sind dann auf den Monte di Tonna, wo Einheimische Adler fotografierten – während wir professionell Risotto und Salat zubereiteten. Prioritäten.
Ein paar Tage später: Idylle pur bei Faicchio. Schwarzer Storch, Frösche, Schildkröten – quasi Disney, nur ohne Eintritt. Nebenbei wurde Altmetall gesammelt und ein Lagerfeuer entfacht, während gehäkelt und Balkan-Strategien geplant wurden. Ganz normaler Alltag eben.
Der dramatische Höhepunkt: Eine Natter entschied sich, unter unserem Tisch durchzuspazieren. Ich reagierte völlig ruhig und souverän (also laut schreiend und fluchtartig).
Nach einem Tag Dauerfahren erreichten wir schließlich Bari – natürlich ohne Touristen, weil wir exklusiv reisen. Die letzte Nacht verbrachten wir bei der Grotte del Pulo, gemeinsam mit halb Bari auf Sonntagsausflug, aber wir fanden heldenhaft eine ruhige Ecke.
Am nächsten Morgen: Frühstück, Duschen, dann ab nach Bari für letzte Besorgungen – schließlich wartet die Fähre nach Griechenland.
Italien werden wir sicher nochmals anders besuchen als nur zur Durchfahrt.
Wald, Pasta, Dolce Vita
Endlich wieder Wald – boah, das fühlt sich gut an. Wir stehen oberhalb einer Quelle, umgeben von nichts als Natur. Alles ist ruhig, nur die Vögel drehen komplett auf. Genau unser Ding.
Am nächsten Stellplatz gehen wir spazieren und stoßen zufällig auf die Villa Puccini di Chiatri. Ein magischer Ort – wunderschön gelegen und irgendwie verlassen wirkend. Das Anwesen hat eine ganz besondere Atmosphäre. 1888 kaufte Giacomo Puccini die Villa nach seinen Erfolgen mit Manon Lescaut und La Bohème und ließ sie komplett umbauen. Damals gab es noch nicht einmal eine Straße dorthin – alles wurde mit Eselkarren hinaufgebracht. Verrückt, wenn man heute dort steht.
Danach ging es weiter zu den legendären Pastamachern von Martelli. Ein winziger Ort, aber was die Familie dort produziert, ist absolute Spitzenklasse. Frische Pasta, ehrlich gemacht – besser geht’s kaum.
Wir ziehen weiter, verbringen eine Nacht an einem ruhigen Flussbett und erreichen schließlich Volterra. Eine wunderschöne, uralte Stadt, angenehm unaufgeregt. Ihre Geschichte reicht von den Etrusker, die hier ein mächtiges Handelszentrum hatten, über das Römisches Reich und die Langobarden bis hin zur Herrschaft der Medici. Und bis heute ist Volterra bekannt für seine Alabasterkunst.
Abends suchen wir uns wieder einen Platz im Wald. Es gibt Ravioli und Salat – simpel, aber genau richtig. Ach Italien… wir werden uns hier einmal komplett durch die Pasta essen.
Heute ging’s weiter nach San Gimignano – das „mittelalterliche Manhattan“. Früher über 70 Türme, heute noch etwa 14. Bei den Touristenmassen – uns eingeschlossen – macht der Name echt Sinn. Trotzdem: einmal durchschlendern lohnt sich.
Und dann natürlich Eis bei Gelateria Dondoli. Absolut verdienter Ruf – richtig gutes Zeug, cremig, intensiv, einfach saulecker.
Zum Abschluss fahren wir weiter Richtung Parco della Maremma. Wasser auffüllen, ein ruhiges Plätzchen an einer Waldstraße finden – und den Tag entspannt ausklingen lassen.
Parkplatz, Pasta & perfekte Leute
Irgendwo zwischen Genua und Lavagna haben wir die Nacht verbracht – romantischer Parkplatz-Charme inklusive. Am nächsten Morgen trafen wir Johannes und Fabi zum Frühstück. Die beiden waren schon um 2 Uhr nachts losgefahren – wir nennen das einfach mal „Motivation“. So gab es ein Geburtstagsfrühstück für Fabi direkt zwischen den Autos. Ungewöhnliche Location, aber 5 Sterne für Atmosphäre.
Danach ging’s weiter nach Lavagna, wo uns Susanna ihr kleines Rustico überließ. Erst mal kurz ankommen, dann direkt Großeinkauf – schließlich drohte akuter Pasta-Notstand. Zurück am Chalet wurde alles fürs BBQ vorbereitet, und genau im richtigen Moment rollte Tim mit seinem Landy an. Und als wäre das nicht schon gut genug, hatte er auch noch Manuela dabei. Zack – komplette Traumtruppe.
Abends wurde natürlich gegrillt. Am nächsten Morgen dann die große Mission: Brötchen finden. Hat funktioniert, also war der Tag schon mal ein Erfolg. Danach Spaziergang über den beeindruckenden Friedhof, durchs Städtchen und an den Strand. Fabi hat sich sogar ins Wasser gewagt – freiwillig. Respekt.
Kulinarisch lief sowieso alles auf Topniveau: Steinpilz-Risotto, Pasta, Salate, Paninis… Fabi hat uns ordentlich verwöhnt. Dazwischen wurde Karten gespielt, spaziert und entspannt. Tim und Struppi haben dem Landy noch einen Ölwechsel gegönnt – auch Autos brauchen Urlaubspflege.
Am letzten Abend sind wir dann noch essen gegangen – man will ja auch mal bekocht werden. Insgesamt einfach eine richtig gute Zeit mit viel Lachen, gutem Essen und genau der richtigen Mischung aus Aktivität und Nichtstun.
Und irgendwie fühlt es sich ein bisschen komisch an, jetzt nicht nach Hause zu fahren – aber hey: Wir sind in Bella Italia. Schlechtere Orte kann man sich wirklich vorstellen.
