Montenegro
Zwischen Seeigeln, Schakalen und Kreuzfahrttouristen
Natürlich musste direkt neben unserem Schlafplatz eine Höhle eingezeichnet sein. Und natürlich konnten wir deshalb unmöglich einfach weiterfahren. Also machten wir uns auf den Weg dorthin. Der Weg war überraschend unkompliziert, was uns sofort misstrauisch machte. Der Mann stieg hinunter und wurde unten von einer beachtlichen Anzahl Fledermäuse begrüßt. Dazu kam dichter Dunst, irgendwo zwischen „mystisch“ und „gesundheitlich fragwürdig“. Entsprechend dauerte die Höhlenexpedition ungefähr drei Minuten, bevor er wieder auftauchte.
Danach fuhren wir weiter bis ans Adriatische Meer. Traumhaft eigentlich – türkisblaues Wasser, kleine Bucht, viele Menschen. Leider auch ungefähr acht Millionen Seeigel. Baden fiel damit eher unter die Kategorie Risikosport. Also suchten wir uns stattdessen eine große Wiese unter Bäumen, versteckt und ruhig. Perfekt zum Kochen, Rumliegen und so tun, als hätten wir unser Leben komplett im Griff.
Gerade als wir uns nachts hingelegt hatten und langsam wegdämmerten, tauchte ein Jäger auf. Was man eben so erlebt. Er erklärte uns freundlich, aber bestimmt, dass dies ein eher schlechter Schlafplatz sei, weil er hier Schakale jage. Offenbar standen wir kurz davor, unbezahlte Statisten in einer nächtlichen Jagdszene zu werden. Da unsere Motivation für Abenteuer dieser Art begrenzt war, fuhren wir lieber auf einen nahegelegenen Campingplatz.
Im Nachhinein war das vermutlich die bessere Entscheidung. Am nächsten Morgen gab es warme Duschen, frische Wäsche und plötzlich fühlten wir uns wieder wie vollwertige Mitglieder der Zivilisation.
Frisch geschniegelt fuhren wir früh nach Budva, um die berühmte Altstadt anzuschauen. Enge Gassen aus Naturstein, venezianische Architektur, kleine Plätze voller Cafés und Restaurants – wirklich wunderschön. Natürlich gönnten wir uns zuerst ein völlig überteuertes, aber hervorragendes Eis. Die Aussicht aufs Meer und den Hafen war beeindruckend, und für einen kurzen Moment fühlte man sich fast wie in einem romantischen Mittelmeerfilm.
Dann kamen die Reisegruppen.
Nach und nach wurde der kleine historische Fleck von Menschenmassen überschwemmt, Selfiesticks ragten wie Antennen in den Himmel und irgendwo erklärte ein Guide gleichzeitig dreißig Leuten dieselbe Kirche. Unser Fluchtinstinkt setzte ein und wir fuhren weiter nach Kotor.
Die Fahrt dorthin war allerdings spektakulär. Über Serpentinen kamen wir von oben in diese fjordartige Landschaft hinein – wirklich beeindruckend. Unten lagen riesige Kreuzfahrtschiffe in der Bucht und spuckten Tausende Passagiere aus. Da die Altstadt zur Mittagszeit ohnehin schon voll war und zusätzlich zwei Kreuzfahrtschiffe angekommen waren, entschieden wir uns spontan für die Strategie „durchfahren und so tun, als hätten wir alles gesehen“.
Wahrscheinlich ist Kotor eine fantastische Stadt. Aber Budva am frühen Morgen ohne Menschenmassen hatte uns ehrlich gesagt schon gereicht.
Später hielten wir an einer ruhigen Stelle an der Bucht von Kotor, um wenigstens die Füße ins eiskalte Wasser zu halten. Danach ging es die lange Straße hinauf in die Berge. Nach einem kleinen Essensstopp entdeckten wir zufällig einen Campingplatz mitten auf dem Land: das MEXICANA Camp, geführt von Alex und seiner Familie.
Alex war eine echte Marke. Einer dieser Menschen, die gleichzeitig Campingplatzbesitzer, Organisator, Entertainer und vermutlich auch Bürgermeister der Umgebung sein könnten. Der Platz wurde mit unglaublich viel Herz geführt. Direkt am Grundstück floss ein kleiner Fluss vorbei und manchmal gab es frischen Fisch daraus. Alex organisierte uns sogar noch eine Pizza bei seinem Kollegen.
Am Ende saßen wir dort zwischen Bergen, Fluss, Pizza und dachten uns: So ein kleiner Familien-Campingplatz hätte eigentlich schon was.
